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© DI Ulrike Fassler

Investitionen, die sich lohnen

Ein Artikel von DI Ulrike Fassler | 04.12.2009 - 00:47
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Die Freude war groß bei der Familie Woisetschläger, als sie am 14.11.2009 gemeinsam mit zahlreichen Besuchern und Geschäftspartnern in den neu errichteten Hallen der Firmenanlage die Neubaueröffnung feiern durfte. Die steigenden Energiekosten in seinem Betrieb in der Ranningergasse, Wien-Liesing, hatten Alfred Woisetschläger, Unternehmer einer altbewährten Zierpflanzenproduktionsgärtnerei, veranlasst, sich zu einem Umstieg auf Biomasseenergienutzung zu entschließen. Die Erneuerung des Heizsystems wurde sogleich zum Anlass genommen, auch die Firmenanlage um 6.400 m2 zu erweitern und die Produktion zu steigern.

Es sei ein mutiger Schritt nach vorne, hob Albert Trinkl, der Präsident des Bundesverbandes der Österreichischen Gärtner (BVÖG) stolz hervor. Er hatte die ehrenvolle Aufgabe, die Anlage offiziell zu eröffnen.
Auch DI Franz Windisch, Präsident der Landwirtschaftskammer Wien, zeigte seine Freude über das vorbildhafte innovative Projekt, welches er bei der Förderabwicklung und Kalkulation begleiten durfte.
Ök.-Rat Ludwig Ableitinger, Landesobmann der Wiener Gärtner, sprach von einer zukunftsweisenden Anlage. Biomasse könne eine Alternative zur Problematik der zunehmenden Kosten bei Gas, Fernwärme und Öl sein.
Woisetschläger selbst bedankte sich bei seiner Familie für die erfolgreiche Zusammenarbeit. Das Unternehmen wurde bereits 1881 gegründet und wird mittlerweile in der 6. Generation als Familienbetrieb weitergeführt. Auch für die Zukunft ist gesorgt. Die Tochter der Familie ist ebenfalls im Unternehmen beschäftigt.Bei einem reichhaltigen Buffet ließ Familie Woisetschläger mit ihren zahlreichen Gästen die festlichen Eröffnungsfeierlichkeiten ausklingen.

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Im März 2009 war Baustart. Die Bauleitung wurde von Schramm Technik für den Gartenbau übernommen. © Schramm Gartenbautechnik

Dass die Koordination der technischen Infrastruktur bei der Firmenerweiterung so reibungslos abgelaufen ist, hat die Zierpflanzenproduktionsgärtnerei Woisetschläger in Wien Liesing seinem Geschäftspartner Schramm Technik für den Gartenbau, Felbigergasse aus Wien-Penzing, zu verdanken.
Nach einer einjährigen gemeinsamen Planungs- und Umstellungsphase mit Woisetschläger begann Schramm im März dieses Jahres mit der Baudurchführung.
Schramm arbeitet neben zahlreichen österreichischen Firmen auch mit zwei holländischen, sechs deutschen und einer französichen Firma zusammen.

Woisetschlägers Unternehmen wurde durch die Erweiterung von 7.000 m² auf 1,2 ha Fläche vergrößert.
Das Herzstück der Neubauanlage ist der Biomasseheizkessel der Firma Josef Binder, Maschinen- und HandelsGmbH, Bärnbach/Stmk. Der Nassholzkessel eignet sich für feuchte, aschereiche Brennstoffe bis maximal 50 % Wassergehalt. Dieser wird bei Woisetschläger mit Hackschnitzel beheizt. Nach dem System SRF-S-Schubrost-Feuerung mit ­Schneck­en-­Beschickung wird der Brennstoff mit Schubböden zum Kessel befördert und über Schneckengewinde in den Brennraum geschoben. Bewegliche Rostglieder sorgen für eine gleichmäßige Verteilung des Materials über die gesamte Länge. Binder bietet noch zahlreiche weitere Heizmöglichkeiten mit Biomasse an. Ein eigenes ins Unternehmen integriertes Forschungszentrum ermöglicht es der Firma, den Anforderungen der Industrie laufend nachzukommen.

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Ein liegender Wärmespeicher mit ­­100 m3 Fassungsver­mögen und vollauto­matisch geregeltem Puffer­speicher­management durch RAM wurde für die ge­plante Produktions­steigerung im Winter notwendig © Schramm Gartenbautechnik

Klimaoptimierung
Die Neuadaptierung des Heizsystems wurde von der Firma Klaus Kuba GmbH aus Raubling/D übernommen. Die errichtete Heizzentrale verbindet nun den Alt- mit dem Neubau. Auch mit der bestehenden Heizzentrale wurde das neue System zusammengeschlossen.
Ein Wärmespeicher mit 100 m3 Inhalt ermöglicht in den Wintermonaten einen raschen Wärmevorschuss. Drehzahlgeregelte Pumpen werden durch das RAM Puffermanagement (siehe Firma Blümel) gesteuert und befördern nur die benötigte Wärme ins Gewächshaus. Neben einer ökonomischen Optimier­ung der Energienutzung werden so auch die Stromkosten gesenkt. Pro Abteil wurden weiters die zwei Regelsysteme Untertisch- und Oberheizung installiert, welche je nach Bedarf zur Anwendung kommen. Umluftventilatoren sorgen für eine gleichmäßige Temperaturverteilung in den großen Gewächshaushallen.

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Biomassekessel Type RRK, 900 KW Leistung, mit Schub­böden und Förderschnecken © Schramm Gartenbautechnik

Gewächshaus­automation
Die Klimaführung und die Bewässerung sowie die Beheizung in Gewächshaus- und Wohnhausanlage werden vollautomatisch betrieben und sind teilweise visualisiert. Für die elektronische Steuerung ist die Firma Roman Blümel-Gartenbauautomation und Steuerungstechnik, Wien-Simmering, zuständig. Blümel arbeitet seit 20 Jahren mit der deutschen Firma RAM zusammen. RAM bedient vorrangig die Gartenbaubranche in der Weiterentwicklung von Softwarekonzeptionen.
Das über Internet gesteuerte Visuali­sierungssystem (Typ Visu RAM) mit seinen unterschiedlichen Möglichkeiten der Bildschirmdarstellung bietet dem Unternehmer höchstmögliche Flexibilität. Die Schlichtheit der Bildschirm­masken macht die Datenerfassung sehr leicht und anwenderfreundlich. Von jedem webfähigen Terminal aus kann der Unternehmer somit Einsicht in die Einstellungsparameter des Gewächshauses nehmen und diese auch digital korrigieren. Rationelle Arbeitsabläufe und effiziente Leistungsausnutzung sind die Qualitätskriterien dieser Methode.

Gewächshaus­eindeckung
Für die Ausprägung farbintensiver Blüten ist eine hohe Lichtintensität der Gewächshauseindeckung notwendig. Diffuses Licht erhöht nach wissenschaftlichen Erkenntnissen die Pflanzenerträge. Eine Flächengröße von 5.000 m2 wurde von der Firma VDH Foliekassen BV, Hazerswoude-Dorp/NL mit einer UVB-durchlässigen Doppelschichtfolie (Typ Hytilux klar) eingedeckt. Die UV-stabilisierte thermische Antitau-Folie, welche mit einem eigenen Gebläse aufgeblasen wird, ermöglicht eine Energieeinsparung von 30–40 % und besitzt eine Haltbarkeit von 8–10 Jahren. Bedingt durch die großzügige Dachlüftung (durchlaufende Öffnung von 1,70 m) und die zusätzlichen Giebellüftungen wird das Foliengewächshaus optimal ventiliert.
Weitere 5.000 m2 Betriebsfläche wurden mit einem Sicherheitsglas der holländischen Firma Saarlucon, De Lier/NL als Glasgewächshausfläche, (Typ Venlo) eingedeckt. Das UVA-durchlässige Glas besitzt eine Garantie von zwei Jahren. Seitlich ist das 9,6 m breite und 5 m hohe Gewächshaussschiff doppelt verglast. Weiters wurden Wärmeschirme der Firma Schumann, Kleinmaischeid/D, eingezogen.

Gewächshaus­einrichtung
Mit der Einrichtung des Gewächshauses und der Modernisierung der Bewässe­­r­ungs­technik wurde die Firma Knecht, Metzingen/D, beauftragt. Die Bewässer­ung der Kulturen wird in den Glasgewächshäusern über ein geschlossenes Ebbeflut-Tischsystem bewerkstelligt. In den Foliengewächshäusern erfolgt diese über gesteuerte Gießwägen mit Schleppkette (Typ ITS Hängegießwagen) sowie mit Tröpfchenbewässerung. Die Gießwägen eignen sich neben ihrer Sprüh- und Gießfunktion auch für den Pflanzenschutz. Produziert werden bei Woisetschläger Beet- , Balkon- und Topfpflanzen. Sein Hauptabnehmer ist die Firma Starkl. Ein firmeneigener Fuhrpark erledigt die Belieferung der Kunden.