Eine internationale Untersuchung unter Leitung der Universität Bonn und der ETH Zürich zeigt ein überwiegend positives Meinungsbild, macht aber auch deutlich, dass der Wandel nicht ohne Aufwand gelingt. Pflanzenschutzmittel spielen eine zentrale Rolle für die globale Ernährungssicherheit, denn sie verhindern große Ernteverluste durch Schädlinge und Krankheiten. Gleichzeitig sind ihre Nebenwirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt bekannt. Um Erträge zu sichern und dennoch die Natur zu schützen, setzen Forschende auf alternative Lösungen wie resistentere Sorten, vielfältige Anbausysteme, den gezielten Einsatz von Nützlingen oder Präzisionstechnologien, die den Wirkstoffbedarf deutlich reduzieren.
Für die internationale Studie wurden 517 Fachleute unterschiedlicher Disziplinen aus allen Kontinenten befragt. Sie bewerteten die möglichen Folgen einer globalen Umstellung auf nachhaltigen Pflanzenschutz in Bezug auf Umwelt, Gesundheit, Ernährungssicherheit, wirtschaftliche Stabilität und soziale Aspekte. Besonders deutlich zeigte sich der erwartete Nutzen für Umwelt und Gesundheit: weniger Schadstoffeinträge in Böden und Gewässer, eine reichere Artenvielfalt sowie geringere Belastungen für Landwirte und Anwohner. Bemerkenswert ist, dass diese positiven Einschätzungen weitgehend unabhängig von Weltregion und Fachgebiet geteilt werden. Wirtschaftlich fällt das Meinungsbild differenzierter aus. In Europa, Nordamerika und Australien rechnet man teils mit stagnierenden, teils mit positiven Effekten, während Fachleute aus Asien, Afrika und Südamerika vor allem neue Chancen sehen: höhere Wertschöpfung, stabilere Märkte und langfristig mehr Ernährungssicherheit. Für viele Regionen des Globalen Südens gilt nachhaltiger Pflanzenschutz damit als wichtiger Hebel für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Gleichzeitig machen die Forschenden deutlich, dass Nachhaltigkeit Investitionen, Wissenstransfer und politische Unterstützung erfordert. Neue Verfahren müssen in der Praxis erprobt, auf lokale Bedingungen angepasst und wirtschaftlich tragfähig werden. Kurzfristig können Kosten steigen oder Erträge schwanken – langfristig aber könnte die Landwirtschaft robuster, umweltfreundlicher und unabhängiger von chemischen Mitteln werden.
Quelle: pflanzenforschung