Der Österreichische Obst- und Gemüsebauernverband fordert daher rasch wirksame Entlastungen, um gegenüber anderen Ländern wieder wettbewerbsfähig zu werden. Unsere nachhaltig produzierten Lebensmittel müssen unter fairen Bedingungen gesichert bleiben – für Konsumenten wie auch für die Beschäftigten. Anlass ist die jüngste Ausweitung eines deutschen Sondermodells, das Arbeitgeber bei kurzfristigen Beschäftigungsverhältnissen deutlich entlastet und so den Kostendruck auf heimische Betriebe weiter verschärft.
Der Arbeitsaufwand im Obst- und Gemüsebau ist hoch, viele Tätigkeiten sind nach wie vor reine Handarbeit. Das macht einen großen Einsatz von Arbeitskräften notwendig – und treibt die Kosten in die Höhe. Besonders problematisch seien im Vergleich zu anderen EU-Staaten die hohen Lohn- und Lohnnebenkosten in Österreich. Während Nachbarländer bei den Arbeitskosten deutlich günstiger abschneiden, bleibt die Belastung in Österreich sehr groß. Die Beschäftigten selbst haben durch diese Struktur aber keinen Vorteil. Deutschland setze zusätzlich auf ein kostensparendes Sondermodell für Erntehelfer und Saisonarbeiter – ein Instrument, das Österreich bislang fehlt.
Eine aktuelle Untersuchung der KMU-Forschung im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums verdeutlicht die Unterschiede: Zwar liegen die Gesamtkosten pro Stunde in Österreich (18,9 Euro) und Deutschland (18,2 Euro) auf ähnlichem Niveau. Wird jedoch das deutsche Sondermodell angewendet, sinken die Arbeitgeberkosten dort auf 14,8 Euro – bei gleichem Nettolohn von 12,4 Euro. Damit zahlen österreichische Betriebe knapp 28 % mehr.
Während in Deutschland die Sonderregel für Erntearbeitskräfte nun sogar von 70 auf 90 Tage verlängert wird, um die Eigenversorgung abzusichern, existieren vergleichbare Modelle auch in Frankreich, Polen oder Italien. Teilweise übernimmt der Staat dort sogar die Lohnnebenkosten für Saisonarbeitskräfte. Der ÖBOG (Österreichischen Branchenverbands für Obst und Gemüse) fordert ähnliche Lösungen für Österreich: Entlastung der Produzenten, ohne dass Arbeitnehmer benachteiligt werden.
Die Folgen zeigen sich längst in der Praxis: Allein beim Apfelanbau sind in sechs Jahren rund 15 % der Fläche verloren gegangen. Viele Betriebe haben aufgegeben, heimisches Obst und Gemüse verschwindet zunehmend aus Verarbeitung, Gastronomie und Handel. Ohne gezielte Maßnahmen drohe langfristig eine Abhängigkeit vom Import.
Quelle: lko