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Die Schwarzhalsige Kamelhalsfliege wurde in Österreich, Deutschland und der Schweiz zum Insekte des Jahres 2022 gekürt. © Harald Bruckner

Insekt des Jahres 2022

Schwarzhalsige Kamelhalsfliege

Ein Artikel von Alexandra Pickner (bearbeitet) | 09.12.2021 - 11:57

Die vielen fossilen Funde lassen erkennen, dass die Insekten schon zu Lebzeiten der Dinosaurier in viel größerer Vielfalt auf der Erde vertreten waren. Weltweit sind nur 250 Kamelhalsfliegen-Arten bekannt. 16 Arten wurden bislang in Mitteleuropa beschrieben. In der Klasse der Insekten weisen diese Tiere die artenärmste Ordnung auf. Lange Zeit galt die Schwarzhalsige Kamelhalsfliege (Venustoraphidia nigricollis) als einer seltensten, bis man erkannte, dass sich die adulten Tiere mit dem charakteristischen schwarzen Halsschild hauptsächlich in den Baumkronenschichten aufhalten.

Ein besonderes Vorkommen von Kamelhalsfliegen befindet sich im Zentrum von Wien. Auf dem Maria-Theresien-Platz haben sich - umgeben von brausendem Verkehr – in den dort stehenden Kiefern zwei Kamelhalsfliegen-Arten angesiedelt. Das jährliche Massenauftreten der schlanken Tiere rund um einen mehrere Jahrhunderte alten Bauernhof in Oberösterreich ist weltweit einzigartig. Auf 800 m Höhe hat sich hier eine aus dem Mittelmeerraum eingeschleppte Art niedergelassen. Die Tiere können jedes Jahr zur Paarungszeit in großer Zahl beobachtet werden.

In allen Lebensstadien sind Kamelhalsfliegen Landbewohner. Sie sind tagaktiv und ernähren sich häufig von Blatt- und Schildläusen. Bei einer ausreichenden Populationsdichte können rindenlebende Kamelhalsfliegen-Larven als Gegenspieler von Schadinsekten (z. B Borkenkäfer) eingesetzt werden. Trotz ihrer gut entwickelten Flügel sind die Insekten keine guten Flieger. Große Strecken meistern sie schwirrend, hüpfend oder flatternd. Ihre Verbreitung ist auf die Nordhemisphäre beschränkt, da sie für ihre Entwicklung einen deutlichen Temperaturabfall benötigen. Dank der vielen fossilen Funde, konnten Forscher ableiten, dass die Insekten in der Erdgeschichte viel weiter verbreitet und artenreicher waren. Der Meteoriteneinschlag löschte nicht nur die Dinosaurier aus, sondern die daraus resultierenden klimatischen Veränderungen ließen nur die kälteadaptierten Formen der Kamelhalsfliegen überleben. Das damalige Aussehen der Tiere ähnelte den heutigen Arten bereits sehr. Wodurch sie auch als lebende Fossile bezeichnet werden.
Obwohl die Kamelhalsfliegen sich in Mitteleuropa potentiell überall ansiedeln können, gibt es aus vielen Gebieten keine Nachweise. Die meisten mitteleuropäischen Arten lassen sich leicht aus Fotografien bestimmen und sind eine spannende Aufgabe für alle Insektenfreunde.


Quelle: senckenberg