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In vielen Regionen Europas nimmt die durch Insekten verursachte Baumsterblichkeit zu. (Symbolfoto) © Lubos Chlubny/Shutterstock.com

Forschung

Mehr Baumverluste durch Insekten

Ein Artikel von Alexandra Pickner | 14.11.2025 - 08:17

Eine europaweite Studie an der die Tschechische Agraruniversität Prag sowie die Eidg. Forschungsanstalt WSL (Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaftt beteiligt war, zeigt einen deutlichen Anstieg der durch Insekten verursachten Baumsterblichkeit. Besonders stark betroffen sind Nadelbäume, während sich bei Laubbäumen ein Rückgang der Schäden abzeichnet. Am häufigsten treten Insektenschäden in warmen und trockenen Regionen auf, was erhebliche Konsequenzen für die künftige Baumartenwahl und Anpassungsstrategien an den Klimawandel mit sich bringt.

Im Verlauf des 21. Jahrhunderts haben sich die Schäden an Nadelgehölzen durch Rinden- und Holzbohrkäfer deutlich ausgeweitet, während die Fraßschäden durch Motten an Blättern europaweit abgenommen haben. Hauptverursacher der Schäden an Fichten ist der Buchdrucker, während Laubbäume von einer größeren Vielfalt an Insekten befallen werden, was die Überwachung und Bekämpfung erschwert. Auch Arten, die bislang als widerstandsfähig galten – etwa Föhren und Weißtannen –, zeigen zunehmend Anzeichen von Insektenbefall, was Zweifel an ihrer künftigen Stabilität aufkommen lässt. Trockenheiße Klimazonen zeigen besonders ausgeprägte Störungen, was im Zuge zunehmender Erwärmung auf ein steigendes Risiko großflächiger Ausfälle hinweist. Insekten, die ähnliche Wirtspflanzen oder Ernährungsstrategien nutzen, entwickeln sich häufig parallel, wodurch die Wahrscheinlichkeit weiträumiger Baumverluste steigt.

Ein einfacher geografischer Trend vom Norden in den Süden lässt sich nicht erkennen. Stattdessen bestimmen regionale Extreme und Klimaschwankungen das Verteilungsmuster der Schäden stärker als die Lage entlang der Breitengrade. Der Einfluss von Baumkrankheiten und invasiven Arten wurde in dieser Untersuchung nicht berücksichtigt, sollte aber künftig ebenso Beachtung finden, wie etwa beim Eschentriebsterben.
Die in der Fachzeitschrift Global Change Biology veröffentlichte Untersuchung verdeutlicht, dass Insektenbefall in europäischen Wäldern zunimmt, jedoch je nach Region und Baumart stark variiert. Das Forschungsteam aus 17 Ländern weist auf eine Zunahme der Schäden durch holzbohrende Insekten bei Nadelarten hin, während Blattschäden durch Raupen rückläufig sind. In wärmeren, trockeneren Gebieten Mittel- und Nordeuropas ist das Ausmaß der Störungen insgesamt höher, wodurch das Risiko plötzlicher Massenvermehrungen unter künftigen Extrembedingungen wächst. Die Ergebnisse legen nahe, dass Wälder mit überwiegend Nadelbäumen besonders anfällig für Rinden- und Holzbohrkäfer sind, während Laubwälder eine geringere, aber vielfältigere Insektenbelastung aufweisen. Diese Erkenntnisse sind für die Waldbewirtschaftung, die Baumartenwahl und Strategien zur Anpassung an den Klimawandel von zentraler Bedeutung.
Empfohlen wird, den Anteil klimaresistenter Laubbaumarten in der Forstwirtschaft zu erhöhen, die grenzüberschreitende Überwachung von Waldstörungen zu intensivieren und Datenaustauschsysteme besser abzustimmen. Nur durch abgestimmte Monitoring-Programme, standardisierte Datenerfassungen und klar definierte, umsetzbare Leitlinien können die europäischen Wälder langfristig widerstandsfähig gegenüber Insektenbefall und klimatischen Extremereignissen gemacht werden.

Für die Analyse griff das Team auf jährliche Störungsdaten aus 15 europäischen Ländern für den Zeitraum 2000–2022 zurück, unter anderem aus den Programmen „Waldschutz Schweiz“ und dem Schweizerischen Landesforstinventar. Insgesamt wurden 1.361 Zeitreihen zu 50 Insektenarten ausgewertet, darunter Rindenkäfer und blattfressende Arten. Die Daten ermöglichen eine bislang einzigartige Bewertung der großräumigen Entwicklungen und liefern eine neue Grundlage für zukünftige Forschung und forstliche Planung.


Quelle: WSL