Die zunehmende Häufigkeit extremer Wetterlagen unterstreicht die Notwendigkeit, städtische Räume resilient gegenüber Überflutungen zu gestalten. Ein zukunftsweisender Ansatz ist dabei die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung, bei der Gebäudebegrünungen eine zentrale Rolle einnehmen. Sie ermöglichen es, Regenwasser direkt am Ort des Niederschlags aufzunehmen und verzögert abzugeben, was das Risiko von Überlastungen im Kanalsystem reduziert.
Besonders leistungsfähig sind sogenannte Retentionsgründächer. Diese Systeme verfügen über spezielle Schichten, die als temporäre oder permanente Wasserspeicher fungieren. Das aufgenommene Wasser wird entweder den Pflanzen zur Verfügung gestellt oder kontrolliert und zeitversetzt abgeleitet. Über technische Drosselelemente lässt sich der maximale Abfluss gezielt steuern, sodass auch bei Starkregenereignissen eine gleichmäßige Entwässerung über mehrere Stunden oder sogar Tage gewährleistet ist. Dies trägt dazu bei, die Dimensionierung von Entwässerungsinfrastruktur zu optimieren und den Bedarf an separaten Rückhaltebecken zu verringern.
Neben ihrer Funktion im Wassermanagement bieten Gründächer zahlreiche weitere Vorteile: Sie verbessern das Mikroklima, filtern Schadstoffe aus der Luft, sorgen durch Verdunstung und Verschattung für eine spürbare Abkühlung und wirken lärmmindernd. Darüber hinaus steigern sie die ästhetische und ökologische Qualität von Gebäuden.
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen extensiver und intensiver Dachbegrünung. Extensivbegrünungen zeichnen sich durch robuste, pflegearme Pflanzen wie Moose, Sedumarten, Kräuter und Gräser aus. Diese Systeme sind leicht, benötigen wenig Substrat und speichern je nach Aufbau rund 25 bis 40 Liter Wasser pro Quadratmeter. Der Wasserrückhalt liegt hier bei 50 bis 60 %, der Spitzenabflussbeiwert (Cs) beträgt 0,3 bis 0,5.
Intensive Begrünungen bieten eine größere Pflanzenvielfalt und sind als Aufenthaltsbereiche nutzbar. Sie erfordern jedoch einen höheren Pflegeaufwand und verfügen über stärkere Substratschichten. Mit einer Speicherkapazität von bis zu 160 Litern Wasser pro Quadratmeter und einem Wasserrückhalt von etwa 70 % erreichen sie einen Spitzenabflussbeiwert von Cs: 0,2.
Insgesamt leisten Gründächer einen wertvollen Beitrag zum nachhaltigen Wassermanagement in Städten und unterstützen die Anpassung urbaner Infrastrukturen an die Herausforderungen des Klimawandels.
Quelle: BuGG