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Agri-Photovoltaik

Landwirtschaft und Solarenergie Hand in Hand

Ein Artikel von Barbara Grünbart | 25.08.2025 - 11:38

Hierbei werden landwirtschaftliche Nutzflächen gleichzeitig für die Nahrungsmittelproduktion und die Stromerzeugung mittels Photovoltaik genutzt. Dieser Ansatz verbindet Ökologie, Ökonomie und technologische Innovation auf bemerkenswerte Weise.

Was ist Agri-Photovoltaik?

Wie der Name bereits vermuten lässt, bezeichnet Agri-Photovoltaik die gleichzeitige Nutzung einer Fläche für Landwirtschaft oder Gartenbau und Photovoltaik. Das bedeutet, dass Solarmodule über oder zwischen landwirtschaftlichen Kulturen installiert werden, ohne die landwirtschaftliche Nutzung zu verhindern. Ziel ist es, die Fläche doppelt zu nutzen: einmal für die Lebensmittelproduktion, einmal für die nachhaltige Energiegewinnung.

Hierbei gibt es je nach Bedarf verschiedene Formen von Agri-PV-Anlagen:

  • Überkopf-Anlagen: Die Module werden auf hohen Pfosten installiert, sodass Landmaschinen darunter fahren und Feldarbeiten wie Aussaat oder Ernte durchgeführt werden können.
  • Bodennahe Systeme: Landmaschinen können zwichen den niedriger gelegten Solarmodulen hindurchfahren, aber die Installation erweist sich als leichter und kosteneffektiver. Die Module sorgen außerdem für eine partielle Verschattung der Pflanzen. Dies schützt sie vor extremen Witterungseinflüssen wie intensiver Sonne oder starkem Regen, kann jedoch auch das Pflanzenwachstum beeinträchtigen.
  • Verschiebbare PV-Module: Mobile Systeme ermöglichen es, die Module je nach Sonnenstand oder Bewässerungsbedarf zu verschieben. So kann man sie beispielsweise auch vertikal aufstellen, damit Tiere zwischen den Modulen grasen können.

Vorteile der Agri-Photovoltaik

Aber warum sollte man Agri-Photovoltaik nutzen? Durch die doppelte Nutzung von Ackerflächen können Landwirte nicht nur Nahrungsmittel anbauen, sondern gleichzeitig auch Strom erzeugen. Gerade in Regionen mit hohen Bodenpreisen ist diese Mehrfachnutzung einer Fläche ein entscheidender Vorteil. Zudem leistet die Gewinnung erneuerbarer Energie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, da CO₂-Emissionen eingespart werden und gleichzeitig lokal Strom produziert wird. Ein weiterer Pluspunkt liegt im Schutz der Pflanzen: Die Teilverschattung durch Solarmodule kann sie vor Hitze, starkem Regen oder Trockenstress bewahren, wovon besonders empfindliche Kulturen wie Salat, Beeren oder Kräuter profitieren. Darüber hinaus eröffnet die Stromproduktion den Landwirten eine zusätzliche Einnahmequelle, die für finanzielle Stabilität sorgt und sie unabhängiger von schwankenden Ernteerträgen macht.

Herausforderungen und Praxisprobleme

So vielversprechend die Agri-Photovoltaik auch klingt, ihre Umsetzung bringt einige Schwierigkeiten mit sich. Ein wesentlicher Punkt sind die hohen Investitionskosten: Hochgeständerte Systeme, die eine parallele Bewirtschaftung der Felder erlauben, sind deutlich teurer als herkömmliche Freiflächenanlagen. Hinzu kommt die Frage nach der passenden Bepflanzung. Nicht jede Kultur verträgt die teilweisen Verschattungen, die durch die Module entstehen – während schattentolerante Pflanzen wie Beeren oder Salate profitieren können, reagieren sonnenhungrige Kulturen wie Mais mit Ertragseinbußen. Auch die landwirtschaftliche Praxis selbst muss angepasst werden, denn Maschinen benötigen genügend Platz und Bewegungsfreiheit, sodass Pflanzreihen und Ernteprozesse oftmals neu organisiert werden müssen. Außerdem ist die rechtliche Lage komplex: Die Genehmigungsverfahren für Agri-PV-Anlagen unterscheiden sich von Region zu Region, da sie oftmals auf landwirtschafltichen Flächen nicht bewilligt werden. Diese rechtliche Lage kann für Landwirte und Gartengestalter zu einer erheblichen Hürde werden.

Wo es schon funktioniert

Trotz dieser Herausforderungen gibt es bereits zahlreiche Beispiele, die zeigen, wie Agri-PV in der Praxis funktioniert. In Deutschland etwa laufen in Baden-Württemberg und Bayern verschiedene Pilotprojekte. Dort werden Beeren, Salat oder Hopfen unter Solarmodulen angebaut – mit vielversprechenden Ergebnissen: Erste Studien belegen, dass die Erträge stabil bleiben oder in manchen Fällen sogar leicht steigen. In Indien und Teilen Afrikas hingegen steht die Anpassung an extreme Klimabedingungen im Vordergrund. Hier helfen die teilweisen Verschattungen, die Verdunstung zu reduzieren und die Pflanzen vor intensiver Sonneneinstrahlung zu schützen. Auch in der Tierhaltung ergeben sich Synergien. Unter den Solaranlagen werden beispielsweise Schafe eingesetzt, die das Gras kurz halten. So entsteht ein System, das Energieproduktion, Landwirtschaft und Weidehaltung miteinander verbindet und den Pflegeaufwand reduziert.

Agri-Photovoltaik ist mehr als nur ein Trend. Sie ist eine Lösung für die wachsende Herausforderung, Flächen effizient zu nutzen, den Klimawandel zu bekämpfen und die Landwirtschaft zukunftssicher zu gestalten. Mit der richtigen Planung und den passenden Technologien können Landwirte und Gartengestalter sowohl grüne Energie erzeugen als auch gesunde Pflanzen produzieren – und das auf derselben Fläche.