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Deutschland

Nachfrage nach Bioprodukten boomt - Anbau kommt nicht nach

Ein Artikel von Alexandra Pickner | 16.02.2026 - 08:44

Immer mehr Verbraucher greifen zu Bio-Produkten, besonders zu Obst und Gemüse. 2024 belief sich der Umsatz mit Lebensmitteln aus ökologischem Anbau auf etwa 17 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von knapp 6 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Produktion in Deutschland kann mit dieser Entwicklung jedoch nicht Schritt halten, was Experten zufolge das Risiko weiterer Importabhängigkeit erhöht. Schon heute reicht die einheimische Erzeugung bei vielen Kulturen nicht aus.

Diese wachsende Abhängigkeit betrifft nicht nur die Versorgungssicherheit, sondern führt auch zu neuen Verpflichtungen im Außenhandel. Nach der EU-Entwaldungsverordnung müssen Importeure künftig die Herkunft ihrer Ware genau nachweisen und strenge Sorgfaltspflichten erfüllen. Wer diese Anforderungen nicht einhält, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Aktuell deckt Deutschland rund ein Drittel seines Gemüsebedarfs selbst, bei Obst liegt der Anteil der Eigenproduktion sogar nur bei etwa 20 %. Für Bio-Produkte ist die Lücke noch größer – große Mengen müssen aus Ländern wie Spanien, Italien oder den Niederlanden bezogen werden. Schlechte Ernten im Inland verschärfen die Situation zusätzlich. Viele Betriebe scheuen dennoch die Umstellung auf den Öko-Landbau. Der Schritt erfordert hohe Investitionen, während in der zweijährigen Übergangszeit zwar nach Bio-Kriterien gewirtschaftet, die Produkte aber noch nicht als solche vermarktet werden dürfen. Unsichere Ertragsaussichten, Preisdruck im Handel und ein verändertes Kaufverhalten in Zeiten der Inflation bremsen den Ausbau zusätzlich. Hinzu kommen die zunehmenden EU-Vorgaben wie strengere Weidepflichten, die manche Landwirte an ihre Grenzen bringen. Fachverbände fordern deshalb klare politische Unterstützung: finanzielle Anreize für Umsteiger, verlässliche Förderprogramme sowie einen höheren Anteil an Bio-Lebensmitteln in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Kitas. Ohne gezielte Maßnahmen, so die Einschätzung vieler Branchenkenner, wird das 30-Prozent-Ziel kaum erreichbar bleiben.

Quelle: AH