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Invasiver Plattwurm gefährdet Bodengesundheit

Ein Artikel von Johanna Lassl | 17.11.2025 - 09:09

Forschende des Naturhistorischen Museums Wien und der Universität Innsbruck melden erstmals den gesicherten Nachweis der eingeschleppten Landplanarie Obama nungara in Österreich. Zwischen November 2022 und August 2024 wurden in einer Gärtnerei bei Tulln (Niederösterreich) vier Exemplare entdeckt – ein Fund, der Fachleute aufhorchen lässt.

Eine genetische Analyse am NHM Wien, durchgeführt von Erstautor Matthäus Greilhuber, bestätigt eindeutig: Es handelt sich um den vermuteten Strudelwurm, der ursprünglich in Argentinien und Brasilien beheimatet ist. Der Gattungsname "Obama" stammt aus der Sprache der Tupi, einem indigenen Volksstamm in Brasilien, und bedeutet übersetzt "Blatt-Tier" –  wohl angelehnt an die flache breite Körperform des Tieres.  Die 5 bis 7 cm lange Art zählt zu den Landplanarien, einer Gruppe von rund 900 weltweit bekannten terrestrischen Plattwürmern. Als aktive Räuber erbeuten sie Regenwürmer, Nacktschnecken, Insektenlarven und Asseln. Gleichzeitig fehlen ihnen natürliche Feinde – ein ökologischer Vorteil, der sie in neuen Lebensräumen schnell zu dominanten Bodenprädatoren machen kann.

Auch optisch stechen die Tiere hervor: Die Tullner Exemplare erreichten über fünf Zentimeter Länge und zeigten das charakteristische, getigerte Muster aus undeutlichen Längsstreifen sowie zahlreiche feine Augenpunkte. „Trotz ihres Status als Neobiota handelt es sich um faszinierende, attraktive Tiere – wie Plattwürmer generell“, sagt Greilhuber.

Der Plattwurm gelangte höchstwahrscheinlich über den Import von Zierpflanzen oder Obst und Gemüse nach Europa. In Frankreich konnte er sich bereits stärker ausbreiten, in einem einzigen Garten wurden innerhalb eines Monats bereits 1500 Tiere gesammelt und bestimmt. Momentan ist noch unklar, ob die Art im österreichischen Klima überleben und sich ausbreiten kann, doch mit fortschreitendem Klimawandel könnten sich die Bedingungen zu ihren Gunsten entwickeln. Typisch sind ihr bevorzugtes Vorkommen in feuchten Bodenschichten sowie ihre nächtliche Lebensweise.

Invasive Arten wie Obama nungara gelten weltweit als eine der größten Gefahren für Ökosysteme und Biodiversität – das bestätigt auch der Weltbiodiversitätsrat IPBES. Besonders problematisch ist hier der mögliche Einfluss auf Regenwurmpopulationen, denn diese stehen zusammen mit Schnecken auf dem Speiseplan der Art. Bodenqualität, Nährstoffkreisläufe und Bodenstruktur könnten in Folge bei einem erhöhten Aufkommen stark leiden. 

Monitoring und schnelle Maßnahmensetzung sind bei invasiven Arten wie dieser essentiell zur frühzeitigen Eindämmung. Daher wird gebeten, Sichtungen fotografisch zu dokumentieren und zu melden. Anlaufstellen dafür sind beispielsweise www.naturbeobachtung.at oder das Naturhistorische Museum.