shutterstock_2367888271.jpg

Hunde verfügen über einen extrem ausgeprägten Geruchssinn und stellen das schon in vielen Bereichen unter Beweis. Jetzt werden sie auch zum Erschnüffeln von Japankäfer-Larven eingesetzt (Symbolfoto). © EkaterinaSid/Shutterstock.com

Schweiz

Spürhunde gegen den Japankäfer

Ein Artikel von Alexandra Pickner | 29.10.2025 - 12:07

Der Japankäfer breitet sich in Europa rasch aus, zunächst 2014 in Italien und 2017 im Süden der Schweiz. Heute ist er in mehreren Regionen aktiv, darunter Zürich, Basel, Wallis und das Tessin, wo er immer größere Flächen befällt. Die Behörden setzen auf strikte Überwachung, frühe Erkennung und gezielte Bekämpfung, um eine unkontrollierte Verbreitung zu verhindern — doch die Chancen auf eine vollständige Ausrottung schwinden.

Der etwa einen Zentimeter große Käfer gefährdet mehr als 400 Pflanzenarten, darunter wichtige Nutzpflanzen. Trotz zahlreicher Präventivmaßnahmen gilt: Sobald er sich etabliert, ist eine endgültige Bekämpfung kaum mehr möglich. Ein schneller und effizienter Schutz gegen das Eindringen des Japankäfers funktioniert nur, wenn die Larven frühzeitig im Boden entdeckt und beseitigt werden. Doch genau das ist die große Herausforderung, denn die kleinen Tiere verstecken sich fünf bis 20 Zentimeter tief unter der Erde. Hier setzen die beiden Umweltingenieurinnen Aline Lüscher und Chiara Baschung, die an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) studierten, an: Sie trainieren Hunde, um mit ihrem außergewöhnlich feinen Geruchssinn die verborgenen Larven aufzuspüren – eine Methode, die bislang bei Japankäfern noch nie angewendet wurde. Eine Methode, die eine Ergänzung zu den Pheromonfallen, die zum Fangen der erwachsenen Tiere eingesetzt werden, darstellt.

Die Umsetzung dieses innovativen Projekts ist in der Schweiz jedoch wegen hoher Quarantänevorschriften ein langer Prozess. Erst nach über zwei Jahren bürokratischer Hürden erhielten Lüscher und Baschung die begrenzte Genehmigung, um mit lebenden Larven zu arbeiten. Bis dahin erfolgte das Training ausschließlich mit entsprechend präparierten Gefäßen.
Das Aufspüren der Larven ist eine Herausforderung. Im Verdachtsfall sind große destruktive Erdarbeiten notwendig. Nach der offiziellen Genehmigung mit echten Japankäfern zu arbeiten, sind weitere strenge Auflagen notwendig, um eine unabsichtliche Ausbreitung des Insekts zu verhindern. Aus diesem Grund wird in geschlossenen Räumen der Gewächshäuser der ZHAWs trainiert. Die Larven befinden sich in geschlossenen Behältern, die in einem Substrat vergraben sind, die den physikalischen Bedingungen des Bodens ähneln. Die Hunde müssen unabhängig von Tiefe und Anwesenheit anderer Gerüchte die Käfer aufspüren. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Die Larven werden von den Hunden zuverlässig aufgespürt, auch wenn der Geruch schwach oder verdeckt ist. 
Eine wichtige Etappe fehlt aber noch. Die Hunde müssen auch mit realen Bedingungen konfrontiert werden. Die Vegetation, Temperatur, Feuchtigkeit sowie der Einfluss des Windes oder das Vorhandensein von Störgeräuschen ist der Natur anders. Sobald die Larven überall zu finden sind, kann mit den Hunden dort nicht mehr gesucht werden. Ein gezieltes Aufspüren könnte bisher an wenig berührten Standorten erfolgen und hat dort kostspielige und große Eingriffe in das Erdreich verhindert.

Langfristig planen die beiden Umweltingenieurinnen, ein mobiles Einsatzteam aufzubauen, das flexibel auf Anfragen reagiert. Bis dieses Team einsatzbereit ist, läuft das Projekt rein ehrenamtlich.


Quelle: LID