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Bodenverbesserung mit Klimanutzen

Pflanzenkohle im Gartenbau

Ein Artikel von Redaktion/BG | 25.08.2025 - 10:39

Je nach Verfahren – Pyrolyse bei bis zu 800 °C oder hydrothermale Carbonisierung (HTC) unter Druck – entstehen unterschiedliche Kohlequalitäten. Während HTC-Produkte eine hohe Sorptionskapazität aufweisen, aber weniger stabil sind, liefern klassische Pyrolyseverfahren langlebige und strukturstabile Kohle mit hohem Kohlenstoffanteil. Die bei der Herstellung entstehende Abwärme kann energetisch genutzt werden – ein weiterer Pluspunkt für den nachhaltigen Einsatz.

Aktivierung statt Direkteinsatz – Pflanzenkohle im Substrat

Wichtig zu wissen: Pflanzenkohle ist kein sofort wirksamer Bodenverbesserer, sondern fungiert primär als Trägerstruktur für Wasser, Nährstoffe und Mikroorganismen. Um ihre Wirkung zu entfalten, muss sie zunächst mit Nährstoffen aufgeladen und biologisch aktiviert werden – meist durch Mischung mit reifem Kompost, Gülle oder Mist. Die dabei entstehenden Substrate ähneln in ihrer Wirkung der „Terra Preta“, jener fruchtbaren Schwarzerde aus dem Amazonasgebiet, deren hohe Fruchtbarkeit durch eine Kombination aus Pflanzenkohle, organischer Substanz und Mikroben erklärbar ist. Im Gartenbau zeigte sich in Versuchen, dass ein Pflanzenkohleanteil von bis zu 10 Volumenprozent im Substrat gute Resultate bringt. Höhere Anteile oder unaufgeladene Kohle können dagegen zu Wachstumshemmungen führen, da die Kohle dem Boden Nährstoffe entzieht. Die puffernde Wirkung auf Stickstoff ist hingegen ein klarer Vorteil: Nitrate werden gebunden und stehen der Pflanze länger pflanzenverfügbar zur Verfügung, wodurch auch das Risiko der Auswaschung reduziert wird. Für den Einsatz im Zierpflanzenbau, Baumschulwesen oder urbanen Begrünungen eröffnet das interessante Möglichkeiten, insbesondere auf sandigen oder humusarmen Böden.

Standortverbesserung und Klimaschutz in einem

Gerade bei degradierten, trockenen oder stark bearbeiteten Böden spielt Pflanzenkohle ihre Vorteile aus. Ihre poröse Struktur verbessert die Wasserhaltefähigkeit, ihre Dunkelfärbung fördert die Bodenerwärmung im Frühjahr – besonders vorteilhaft für Kulturen mit frühem Pflanztermin. Der Humusgehalt lässt sich durch die Kombination mit organischen Düngern gezielt stabilisieren, die Bodenbiologie wird aktiviert und langfristig gestärkt. Dabei sind nicht nur direkte Ertragssteigerungen entscheidend, sondern auch die Resilienz des Systems: Kohlenstoff wird gespeichert, Nährstoffverluste verringert und die mikrobielle Aktivität erhöht. In Stallungen kann Pflanzenkohle als Einstreuergänzung genutzt werden, um Gerüche zu binden und Methan- bzw. Lachgasemissionen zu senken. In der Landwirtschaft, wo Böden unter intensiver Nutzung Humus verlieren, wird die Kohle so auch zu einem Instrument zur regenerativen Bewirtschaftung.

Qualität entscheidet – nicht jede Kohle ist geeignet

Für den Gartenbau ist allerdings nicht jede Pflanzenkohle automatisch geeignet. Produkte aus ungeeigneten oder belasteten Ausgangsstoffen – etwa Grillkohle oder industrielle Kohlen ohne Zertifizierung – bergen Risiken durch Schadstoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe oder Schwermetalle. Entscheidend ist daher die Auswahl von schadstoffarmer, zertifizierter Kohle aus rein pflanzlichen Reststoffen. Geeignete Qualitäten enthalten mindestens 80 % Kohlenstoff, eine stabile Porenstruktur und keine toxischen Rückstände. Die Herstellung sollte möglichst ressourcenschonend erfolgen – idealerweise durch die Verwertung von Grünschnitt, Nussschalen, Bioabfällen oder Siebresten. Wirtschaftlich ist Pflanzenkohle im Erwerbsgartenbau derzeit nur dann sinnvoll, wenn Zusatznutzen wie Einsparungen bei Bewässerung, Düngung oder Bodenverbesserung erzielt werden können. Die aktuell noch hohen Preise sind ein limitierender Faktor, der einer breiten Anwendung im Weg steht.