In Produktions- und Verkaufsstätten werden die Schäden des Vorjahres zur Rhododendronblüte sichtbar. Die schwarzen Sporen des Pilzes Pycnostyanus azaleae überziehen die Knospen und bringen sie zum Absterben. Grund dafür ist die Rhododendronzikade (Graphocephala fennahi), die eigentlich harmlos ist, durch ihre Saugtätigkeit allerdings den Pilz überträgt. Während der Vegetationsphase ab Mai saugen die adulten und typisch bunt gefärbten Tiere an den Blättern, was an den chlorotischen Sprenkelungen auf den Blättern bzw. der bräunlichen Verfärbung unter den Blättern erkennbar ist. Teilweise kommt es auch zu einem Abwurf der Blätter. Wenn die Pflanze oder ein Zweig ein wenig bewegt wird, springen die Insekten auf und fliegen weg. Insbesondere Rosen und Fuchsien können empfindlich auf Zikaden reagieren, da die adulten Tiere auch den Saft von anderen Pflanzen saugen.
Eingeschleppt aus Nordamerika
Die Zikaden stammen ursprünglich aus Nordamerika und wurden um das Jahr 1930 nach Europa eingeschleppt – zunächst nach Großbritannien, später von dort über Mitteleuropa und mittlerweile sind sie in fast ganz Europa heimisch geworden. Erkennbar sind die schlanken, etwa 7 bis 9mm großen Zikaden v. a. an ihrer grünen Farbe mit den roten Längsstreifen. Der Rand der Flügelspitze ist wie die Hinterflügel dunkel-violett gefärbt. Beine, Hinterleib und Kopf sind gelblich, der Kopf hat einen violett bis dunkel gefärbten Streifen von der Stirn bis über die Facettenaugen, der unter den Rand des Halsschildes verläuft. Die Weibchen stechen im Herbst die Knospen an, um die Eier abzulegen – bzw. legen sie auch die Eier unter den Knospenschuppen ab und verursachen dadurch kleine Verletzungen. Die Eier überwintern in den Knospen, aus denen ab Mai die gelblichen Larven schlüpfen. Problematisch ist weniger deren Saugtätigkeit, die für das Knospensterben nur eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr ist es die Knospenbräune, ein Pilz, der durch die Rhododendronzikade übertragen wird und durch den sich die bereits im Spätsommer und Herbst angelegten Knospen schwarz färben. Der Pilz kann aber bei geschwächten Pflanzen auch ohne Zutun der Zikaden eine Infektion verursachen. Vor allem Pflanzen an ungünstigen Standorten, wie Staunässe oder zu dichter Bestand, sind in dieser Hinsicht gefährdet. Der Pilz trocknet anschließend ein und bildet das für ihn typische Schadpilz der etwa 2 mm großen, nadelartigen Sporenträger. Da es keine Bekämpfungsmaßnahme gegen den Pilz gibt, muss bereits bei der Bekämpfung der Zikaden angesetzt werden.
Gefahr durch öffentliches Grün
Befallene Knospen werden so früh wie möglich ausgebrochen, um eine weitere Sporenvermehrung zu verhindern. Die verfärbten Knospen sollten nicht auf dem Kompost entsorgt werden. Die Pilzinfektion beginnt bereits mit der Eiablage im Herbst, daher ist für produzierende Betriebe eine kontinuierliche Bekämpfung der Zikaden erforderlich. Problematisch sind Anpflanzungen in öffentlichem Grün, wo Rhododendronpflanzen häufig mit Zikaden befallen sind. Daher sollten v. a. Baumschulen ihre Bestände regelmäßig kontrollieren, die sich in der Nähe von Parkanlagen und anderen öffentlichen Grünanlagen befinden, wo auch Rhododendrongewächse angepflanzt sind.
Sinnvolle Bekämpfungsmaßnahmen
Am einfachsten ist die Bekämpfung im Larvenstadium im Mai, wenn diese lokal begrenzt unter den Blättern und an Knospen sitzen. Sie sind nicht so aktiv wie die adulten Tiere und können durch die erste Spritzung abgeschwächt werden. Die Behandlung erfolgt am besten morgens, da sich die Tiere dann in der Kältestarre befinden. Um die erwachsenen Tiere an der Eiablage zu hindern, sollten weitere Spritzungen im Spätsommer erfolgen. Zusätzlich beleimte Gelbtafeln (dabei genügt eine Falle pro Rhododendronpflanze) verbessern den Bekämpfungserfolg und zeigen auch die Befallsstärke auf. Bewährt haben sich Neemschrot- oder Neemöl-Lösungen oder Insektizide wie Thiacloprid, Azadirachtin oder Acetamiprid wie im Präparat „Schädlingsfrei Careo“. Bei der Spritzung ist v. a. die Benetzung der Blattunterseite erfolgsentscheidend.