Vorwort von Hans-Joachim Grün: „Private und betriebliche Turbulenzen zwangen mich 2010, professionelle Hilfe für meine Gärtnerei in Anspruch zu nehmen. Es ist allerdings gar nicht so einfach, diese zu finden. Nach längerem Nachfragen bei der Landwirtschaftskammer, der Wirtschaftskammer, dem Steuerberater und den heimischen Banken konnte ich endlich den Kontakt zu einem Betriebsberater herstellen. Seit Frühjahr 2011 erkennen wir bereits einen Aufschwung in den Umsatz- und Gewinnzahlen. Meine Tochter, meine Schwester, der Betriebsberater und ich sind zuversichtlich und motiviert, in den nächsten Jahren unsere hochgesteckten Ziele zu erreichen. Das Gärtnersein macht wieder Spaß.
Johann Grün, der Vater von Hans-Joachim Grün, stand 1946 vor der Entscheidung, eine Elektriker- oder Gärtnerlehre zu beginnen. Auf einem kleinen Grünstreifen vor seinem Fenster hat er als junger Bursche schon gerne Karotten und Ähnliches angebaut. Aber das Ausschlaggebende für die Entscheidung der Gärtnerlehre war eine versprochene warme Mahlzeit. Somit wurde der Grundstein für einen Familientraditionsbetrieb im Hausruckviertel gelegt.
Branchenprofis sind gefragt
In den österreichischen Gartenbaubetrieben wird externe professionelle kaufmännische Hilfe noch immer sehr spät oder gar nicht in Anspruch genommen. Es ist jedoch nie zu spät, Hilfe anzunehmen. Selbst die Entscheidungsträger bei der Eröffnung eines gerichtlichen Insolvenzverfahrens, wie Richter und Masseverwalter, sind auf Branchenprofis und deren Unterstützung angewiesen. Speziell für den Fortbestand des Unternehmens ist diese von Bedeutung.
Das österreichische Insolvenzrecht wurde mit dem Insolvenzänderungsgesetz 2010 (IRÄG 2010) deutlich reformiert und abgeändert. Es gibt jetzt die Möglichkeit eines offiziellen Sanierungsverfahrens mit Eigenverantwortung, d. h., der bewährte Zwangsausgleich wurde nicht nur positiver bezeichnet, sondern auch schuldnerfreundlicher gestaltet. Aber bitte warten Sie nicht so lange, bis Sie beginnen, Ihre kaufmännischen Parameter zu prüfen. Jedoch, auch wenn Sie soweit sind, keine Panik, auch hier gibt es positive Lösungen. Im Fallbeispiel Gartenbau Grün: Eine kaufmännische Beratung wäre auch hier bereits vor 3–4 Jahren sinnvoll gewesen. Wir konnten aber noch knapp vor einer Zwangsveräußerung der Liegenschaften durch die Hausbank einen Sanierungsplan und einen Schuldenerlass der Hausbankfinanzierungen außergerichtlich verhandeln.
Empfehlung:
Konkrete Maßnahmen setzen
Neben den Verhandlungen mit dem Hauptgläubiger der Hausbank wurden sofort tiefgreifende Maßnahmen wie die Schließung des Schnittblumengeschäftes im Ortskern seitens des Unternehmers umgesetzt. Ein Nachmieter (anstelle des Schnittblumengeschäftes) im eigenen Haus wurde auch kurzerhand gefunden. Die Gärtnerei in Aspeth wurde vor allem durch einen deutlichen Motivationsschub von Hans-Joachim Grün „nach vorne gebracht“, d. h. Visual Merchandising-Warenpräsentation wird auf der gesamten Verkaufsfläche schrittweise in Übereinstimmung mit den örtlichen Gegebenheiten umgesetzt.
Zielerreichbarkeit messen
Damit diese Maßnahmen auch messbar gemacht werden, wurde eine Umsatzplanung auf Monatsebene mit der Gartenbausoftware Diamond durchgeführt. Geplant wurde eine Umsatzsteigerung von 30 % pro Monat, welche seit Februar 2011 nicht nur erreicht, sondern übertroffen wurde. Diese Zielerreichung ist aber nicht durch den Berater passiert. Es war der Unternehmer Herr Grün, der zu einer Veränderung bereit war und die Entscheidungen (Schnittblumengeschäft schließen, usw.) getroffen hat. Ein letzter Appell an die Gartenbaubetriebe: Banken sind zu Gesprächen und Verhandlungen bereit und tragen auch Positives zu Sanierungen bei.