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In Tallinn (Estland) gibt es bereits viele Flächen, die mit dem Schwammstadtprinzip gebaut wurden © Copyright (c) 2023 tilialucida/Shutterstock.com

LANDSCHAFTSARCHITEKTUR   

Die Stadt als Schwamm

Ein Artikel von Johanna Lassl | 18.02.2026 - 11:26

Das Schwammstadtprinzip (engl. Sponge City) ist ein innovatives stadtplanerisches und ingenieurtechnisches Konzept zur klimaresilienten Gestaltung urbaner Räume. Es adressiert zentrale Herausforderungen des Klimawandels wie Hitzewellen, Starkregenereignisse und Trockenperioden, indem es den Umgang mit Niederschlagswasser grundlegend verändert: Statt Wasser schnell in die Kanalisation abzuleiten, wird es lokal aufgenommen, gespeichert, versickert und pflanzenverfügbar gemacht. Dadurch wird nicht nur die Kanalisation entlastet, sondern auch der Bodenwasserspeicher gestärkt und das Mikroklima verbessert – Effekte, die für Gärtner und Stadtgrünplaner von unmittelbarem Interesse sind.

Im Kern beruht das Schwammstadtprinzip auf der Nutzung blau-grüner Infrastruktur: Regenwasser wird in ober- und unterirdischen Strukturen gehalten, wo es langsam in den Boden eindringt, von Grünflächen und Baumwurzeln aufgenommen oder durch Verdunstung zur Klimatisierung beitragen kann. Diese dezentrale Wasserverwendung hilft, Starkregenabflüsse zu dämpfen, Bäume und Grünflächen in Trockenzeiten zu versorgen und städtische Hitzeinseln zu reduzieren.

Ein spezieller Fokus in Österreich liegt auf dem Schwammstadt-Prinzip für Stadtbäume. Entwickelt wurde es ursprünglich in Skandinavien, wo das sogenannte "Stockholm-System" bereits seit Jahrzehnten im Straßenraum eingesetzt wird. Hier wird unter befestigten Flächen – Gehwegen, Plätzen oder Straßen – ein durchwurzelbarer Unterbau geschaffen, der sowohl Lasten trägt als auch Luft, Wasser und Nährstoffe für Baumwurzelräume verfügbar macht. Dieses poröse System aus Grobsplitt und Feinsubstrat fungiert gleichzeitig als Retentionselement für Niederschlagswasser, das schrittweise in den Pflanzenbereich abgegeben wird.

In Österreich gewinnt das Schwammstadtprinzip zunehmend praktische Bedeutung. In Wien-Seestadt Aspern wurde es auf Quartiersebene umgesetzt: Straßen und Plätze sind so gestaltet, dass Regenwasser in unterirdischen Speicherkörpern gesammelt und den Bäumen gezielt zugeführt wird. Dies verbessert nicht nur die Versorgung der Bäume in trockenen Perioden, sondern schafft auch ein angenehmeres Mikroklima für Bewohner und Stadtbesucher.

Auch St. Pölten nutzt das Prinzip entlang des umgestalteten Promenadenrings: Dort werden in sogenannten „Riesenbeeten“ Bäume und Sträucher gepflanzt, deren unterirdischer Retentionsraum Niederschlagswasser enthält und so das Grün langfristig unterstützt. Laut Stadtverwaltung handelt es sich dabei um eines der größten Schwammstadtprojekte in einer historischen Altstadt Österreichs.

Weitere Praxisbeispiele finden sich in Bad Vöslau, wo Schwammstadtkörper unter dem Schlossplatz Mikroklima und Aufenthaltsqualität verbessern, sowie in Amstetten, wo ein zentrales Stadtareal durch Entsiegelung und Baumpflanzungen zu einem „Sponge-City“-Raum umgestaltet wird.

Insgesamt zeigt sich: Das Schwammstadtprinzip ist kein abstraktes Schlagwort, sondern eine technisch fundierte, naturbasierte Strategie, die in Österreich bereits in mehreren Projekten erfolgreich zur Anwendung kommt. Für Stadtökosysteme, Stadtgrün und urbane Baumstandorte bietet es definierte ökologische Vorteile, die in Zeiten häufigerer Wetterextreme immer relevanter werden.