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Neben der klassischen Fassadenbegrünung wie dieser soll zukünftig eine Vorverschattung Glasfassaden vor starker Überhitzung schützen
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Projekt GLASGrün

Grüne Vorverschattung gegen Innenraum-Überhitzung

Ein Artikel von Johanna Lassl | 20.01.2026 - 11:25

Das Forschungsprojekt GLASGrün untersuchte erstmals systematisch die nachträgliche Begrünung großflächiger Glasfassaden an Gewerbe- und Bürogebäuden als vegetationsbasierte Verschattungslösung. Ziel war es, solare Einträge zu reduzieren, das Mikroklima zu verbessern und den thermischen Komfort im Innen- und Außenraum zu erhöhen – ein bislang wenig adressierter Bereich der Bauwerksbegrünung.

An zwei Demonstrationsstandorten (MPREIS-Baguette-Filiale in Söll, Tirol, und Bürogebäude in der Kreuzgasse, Wien) wurden unterschiedliche vorgesetzte Kletterkonstruktionen entwickelt und mit vier sommergrünen Kletterpflanzenarten (u. a. Pfeifenwinde, Hopfen, Scharlachrebe, Blauregen) getestet. Die Konstruktionen – von 2D-Stahlgittern bis zu 3D-Bandstahl- und Stahlrohrrahmensystemen – ermöglichten flächige Begrünung bei gleichzeitiger Wartungszugänglichkeit der Glasfassaden.

Begleitend erfolgte ein umfassendes Monitoring mit stationärer Sensortechnik (solare Einstrahlung, Wetterdaten, Innenraumtemperaturen), manuellen Messkampagnen zur Pflanzenentwicklung sowie thermischen Simulationen. Bereits ab dem zweiten Standjahr wurde eine hohe Beschattung erreicht; am Standort Söll lag der Deckungsgrad im dritten Jahr bei über 90 %, wodurch die solare Transmission auf etwa 10 % sank und der sommerliche Wärmeeintrag ins Gebäudeinnere um bis zu 67 % reduziert wurde.

Als zentrales Ergebnis wurden artspezifische, monatliche Grünverschattungsfaktoren (Fbs) abgeleitet, die künftig in Energieausweis- und Planungsberechnungen einfließen können. Nutzer- und Passantenbefragungen bestätigten eine hohe ästhetische und klimatische Akzeptanz, bei gleichzeitigen Vorbehalten zu Pflege und Insekten.

Die entwickelten Systeme erwiesen sich als übertragbar für Bestand und Neubau. Zwei GLASGrün-Leitfäden unterstützen Planung, Umsetzung und Pflege und positionieren Grünverschattung als wirksame Maßnahme der Klimawandelanpassung im urbanen Raum.