Wildbienen-2.jpg

Spitzzähnige Zottelbiene (Panurgus dentipes) im Blütenstand eines Korbblütlers © Senckenberg Gesellschaft/André Krahner

NACHWEISMETHODEN

Wildbienenvielfalt erfassen können

Ein Artikel von Renate Stoiber (bearbeitet) | 07.04.2021 - 11:50

Wildbienen sind eine wichtige Indikatorgruppe für intakte Ökosysteme. Mehr als die Hälfte der deutschen Wildbienenarten steht auf der Roten Liste gefährdeter Arten, 26 % sind extrem gefährdet, sieben Prozent sind verschollen und vermutlich dauerhaft ausgestorben. Die zunehmende Industrialisierung und Flächenversiegelung verringert die Nistplätze und Nahrungspflanzen, umso wichtiger wird es die Vielfalt und Bestände im Auge zu behalten und zu überwachen.

Das Team der Wissenschafter aus Julius-Kühn-Institut (JKI), Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Mosel (DLR Mosel) und Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut in Müncheberg verglich vier gängige Methoden der Probennahme für Wildbienen. Die Ergebnisse erschienen kürzlich im Fachjournal „Ecological Indicators“ und zeigen, dass nur zwei der vier Methoden sich für ein zuverlässiges Monitoring eignen.

Problem der Vergleichbarkeit

Wildbienen-1.jpg

Farbschalen auf einer blütenreichen Weinbergbrache bei Kesten/ Mosel. Dieser Fallentyp erwies sich im Untersuchungsgebiet als die effizienteste Methode zur Bienenerfassung © Senckenberg Gesellschaft/André Krahner

Die unterschiedlichen gebräuchlichen Nachweisverfahren sind nur schwer vergleichbar und liefern unterschiedliche Ergebnisse. Deshalb haben die Forscher die gängigen Methoden – Fangen mit einem Handkescher, Farbschalen, Nistfallen und „Malaise-Fallen“ (zeltartige Gebilde zum Fang fliegender Insekten) – verglichen und qualitativ bewertet.

Das Untersuchungsgebiet befand sich in einer Weinbaulandschaft im rheinland-pfälzischen Moseltal. Es konnten 10.330 Tiere aus 134 Arten mit Handkescher, Farbschalen und Nistfallen gefangen werden, dazu kamen noch 2.225 Individuen aus 99 Wildbienenarten, die ergänzend in die Auswertung für die Gegenüberstellung zu den „Malaise-Fallen“ einflossen.

Die Ergebnisse zeigten, dass sich nur das Fangen mittels Handnetz und Farbschalen für Wildbienen eignen. Besonders gelbe Fallen haben sich als effektiv für eine vollständige Erfassung erwiesen. Das Fangen mittels Kescher ist stark vom Geschick der Sammler und dem Gelände abhängig. Diese Methode empfehlen die Forscher besonders für größere Arten wie Hummeln und gefährdete Spezies. Die Ergebnisse können zur Standardisierung von Erfassungsmethoden dienen und bei verschiedenen Monitoring-Programmen helfen.

Die Original-Publikation „Evaluation of four different methods for assessing bee diversity as ecological indicators of agro-ecosystems“ finden Sie auf ScienceDirect.


Quelle: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung