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Steinbrech kennt man vor allem als Garten- und Alpenpflanze. Dass eine Art aus dem tibetischen Hochland Insekten fängt und verdaut, konnte nun wissenschaftlich nachgewiesen werden. (Symbolfoto) © Svetlana0187/Shutterstock.com

Forschung

Auch Steinbrech kann Insekten verdauen

Ein Artikel von Alexandra Pickner | 07.08.2026 - 09:22

Fleischfressende Pflanzen werden meist mit der Venusfliegenfalle oder dem Sonnentau in Verbindung gebracht. Nun zeigt eine aktuelle Untersuchung, dass auch eine Art aus der Gattung Steinbrech (Saxifraga) die typischen Merkmale einer Karnivore erfüllt. Die Ergebnisse bestätigen damit eine Vermutung, die bereits Charles Darwin im 19. Jahrhundert geäußert hatte.

Im Mittelpunkt der Studie steht Saxifraga candelabrum, eine im tibetischen Hochland vorkommende Art. Sie wächst in nährstoffarmen Gebirgsregionen, in denen insbesondere Stickstoff nur begrenzt verfügbar ist. Bereits Darwin vermutete, dass manche Steinbrech-Arten, die in kargen Hochgebirgsregionen vorkommen, ihren Nährstoffbedarf teilweise durch den Fang von Insekten decken könnten. Ein eindeutiger Beleg fehlte jedoch bislang. Damit eine Pflanze als fleischfressend gilt, muss sie mehrere Voraussetzungen erfüllen: Sie muss Beutetiere anlocken, festhalten, verdauen und die freigesetzten Nährstoffe aufnehmen können. Genau diese Kriterien untersuchte ein Forschungsteam um den Botaniker Hang Sun von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Die Analysen zeigten, dass sich auf den Blättern klebrige Drüsenhaare befinden, an denen kleine Insekten haften bleiben. Versuche ergaben außerdem, dass Duftstoffe der Pflanze eine wichtige Rolle bei der Anlockung der Beute spielen. Für diesen Beweis wurden die Pflanzen unter Glas gestellt. Auch die Verdauung ließ sich nachweisen. Mithilfe fluoreszierender Marker beobachteten die Forschenden eine hohe Aktivität des Verdauungsenzyms Phosphatase. In einem weiteren Experiment erhielten die Pflanzen Taufliegen, die mit einem stabilen Stickstoffisotop markiert waren. Anschließend konnte dieser Stickstoff im Pflanzengewebe nachgewiesen werden – ein klarer Hinweis darauf, dass Saxifraga candelabrum die Nährstoffe aus ihrer Beute aufnimmt und verwertet.

Zusätzliche genetische Untersuchungen lieferten weitere Hinweise auf die karnivore Lebensweise. Im Erbgut identifizierten die Wissenschafter Gene, die auch bei anderen fleischfressenden Pflanzen vorkommen und mit Fang- und Verdauungsmechanismen in Zusammenhang stehen. Fleischfressende Pflanzen kommen in mehreren botanischen Familien vor und diese Fähigkeit ist in der Evolution mehrfach unabhängig voneinander entstanden. Mit Saxifraga candelabrum kommt nun eine weitere Art hinzu, die alle wesentlichen Kriterien einer fleischfressenden Pflanze erfüllt – und zugleich eine mehr als 150 Jahre alte Hypothese Charles Darwins bestätigt.


Quelle: spektrum