shutterstock_1999942259.jpg

Gerade in dicht verbauten Stadtteilen ist die Versorgung von Bäumen eine große Herausforderung. Mit digitale Bodenfeuchtesensoren sollen die optimale Wassermenge und auch das richtige Bewässerungsintervall festgelegt werden. (Symbolfoto) © studiomiracle/Shutterstock.com

Digitales Stadtgrün

Wenn Bäume Daten senden

Ein Artikel von Alexandra Pickner | 15.12.2025 - 09:25

Im Zuge des Forschungsprojekts „Smart Trees“ erproben die Wiener Stadtgärten (MA 42) gemeinsam mit Wien Energie und Wien Digital (MA 01) digitale Bodenfeuchtesensoren. Ziel ist es, den Baumbestand auch unter sich wandelnden Klimabedingungen gesund zu erhalten und gleichzeitig Wasser effizienter einzusetzen. Dazu werden Bodenfeuchtesensoren genutzt, die präzise Daten über Feuchtigkeit und Temperatur liefern. Auf Basis dieser Messwerte sollen künftig Bewässerungsmenge und -rhythmus optimiert werden. Die Testphase läuft bis Ende 2026; danach ist eine Bewertung der Ergebnisse sowie eine mögliche Ausweitung des Projekts geplant.

Besonderes Augenmerk liegt auf der Frage, wie moderne Sensortechnik zur Ressourcenschonung und besseren Baumpflege beitragen kann. Über 500.000 Stadtbäume werden von den Wiener Stadtgärten betreut, und die Sensoren sollen künftig helfen, diese Arbeit gezielter und mit geringerem Wasserverbrauch zu gestalten. Seit Beginn der Initiative „Raus aus dem Asphalt“ wurden bereits mehr als 3.300 neue Bäume in dicht verbauten Gebieten gepflanzt, wo die Wasserversorgung aufgrund begrenzter Bodenräume eine besondere Herausforderung darstellt. Durch die gezielte Bewässerung über Sensorsteuerung können die Bäume dort vital bleiben und gleichzeitig das Mikroklima in den Stadtteilen verbessern.

Seit Februar 2024 läuft die praktische Umsetzung des Projekts im gesamten Stadtgebiet. Die installierten Sensoren übermitteln laufend Messwerte an eine zentrale Plattform, die sogenannte IoT‐Base, welche Wien Digital bereitstellt und gemeinsam mit den Wiener Stadtgärten weiterentwickelt wird. Genutzt wird das LoRaWAN‐Netz, ein drahtloses Kommunikationssystem, das energieeffizient kleine Datenmengen über große Distanzen überträgt. Dadurch bleibt der Batterieverbrauch der Sensoren gering, sie können über einen längeren Zeitraum ohne Austausch betrieben werden. Der flächendeckende Netzausbau ist bis 2028 vorgesehen.

Die erfassten Daten machen deutlich, dass das Potenzial zur Wassereinsparung erheblich ist. Statt nach fixen Zeitplänen zu gießen, kann der Bewässerungszeitpunkt künftig exakt an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Im Herbst 2025 wurde die Testreihe weiter ausgebaut: In der Fußgängerzone Favoritenstraße kommen zusätzlich Sensoren am Baumstamm zum Einsatz, die den Saftstrom messen und damit Auskunft über die Verdunstungsmenge geben. In Kombination mit den Feuchtigkeitswerten im Boden lässt sich so der Wasserbedarf noch genauer bestimmen. Bis Ende des Jahres sollen rund 460 Sensoren verschiedener Typen und Tiefen an unterschiedlichen Baumarten getestet werden, bevor über die künftige Ausstattung im gesamten Stadtgebiet entschieden wird. Die gewonnenen Messdaten dienen nicht nur der Bewässerungssteuerung, sondern werden auch wissenschaftlich ausgewertet. In Kooperation mit der Universität Wien, dem Verein „Land schafft Wasser“ und dem Bundesamt für Wasserwirtschaft wird untersucht, wie sich verschiedene Baumarten unter unterschiedlichen Standortbedingungen entwickeln und welchen Einfluss etwa Düngemittel auf das Wurzelwachstum haben. Langfristig soll daraus ein praxisnahes Pflegekonzept entstehen, das eine nachhaltige und ressourcenschonende Versorgung der Wiener Stadtbäume sicherstellt.

Aktuell betreuen die Wiener Stadtgärten rund eine halbe Million Bäume, darunter viele Jungpflanzen, die in den ersten Jahren nach der Pflanzung regelmäßige Bewässerung benötigen. Diese erfolgt bisher teils manuell, teils über automatische Bewässerungssysteme mit fixen Zeitintervallen, die jedoch nicht auf Wetterveränderungen reagieren können. Die Integration von Sensordaten soll künftig helfen, Gießvorgänge bedarfsgerecht zu reduzieren, Touren effizienter zu planen und so Wasser, Energie und Arbeitsaufwand zu sparen, während gleichzeitig die Vitalität der Bäume erhalten bleibt.

Parallel dazu wird ein innovatives Pflanzsystem mit dem Namen Air‐Pot® getestet. Dabei fördern spezielle Pflanzbehälter mit noppenförmigen Luftöffnungen eine bessere Durchlüftung und Drainage des Wurzelraums. Die verbesserte Sauerstoffzufuhr regt das Wachstum feiner Faserwurzeln an und sorgt für stabile Wurzelballen, die den Anwuchserfolg und die Widerstandskraft der Bäume erhöhen. Erste Tests in der Baumschule Mauerbach mit 42 Bäumen zeigen seit Dezember 2024 vielversprechende Ergebnisse, darunter ein deutlich stärkeres Wurzelwachstum. Auch hier steuern Sensoren die Bewässerung präzise. Seit Herbst 2025 werden im Versuchsgebiet Essling weitere 60 Straßenbäume in das System integriert, um den Praxiseinsatz dieser Methode zu erproben.


Quelle: Pedram Seidi/Stadt Wien