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KLIMAWANDEL   

Weihnachtsbaum als Stadtgrün

Ein Artikel von Johanna Lassl | 16.12.2025 - 08:43

Die Nordmanntanne gilt seit Jahrzehnten als Klassiker unter den Weihnachtsbäumen. Doch ihr Anbau wird zunehmend schwieriger. Der Pflanzenforscher und Leiter des Fachgebiets Vegetationstechnik und Pflanzenverwendung an der TU Berlin Norbert Kühn von der TU Berlin erläutert, warum die beliebte Festtagstanne unter Druck gerät und welche Bedeutung Nadelgehölze künftig für Gärtner und das urbane Grün haben könnte.

Ursprünglich stammt die Nordmanntanne aus dem feucht-kühlen Kaukasus. In Deutschland und Österreich wird sie vor allem in niederschlagsreichen Regionen kultiviert, doch längere Trockenperioden und steigende Temperaturen erschweren den Anbau zunehmend. Der hohe Wasserbedarf sowie der Einsatz von Düngern und Herbiziden, um gleichmäßige, marktfähige Bäume zu erzeugen, stellen ökologische Herausforderungen dar. Dennoch betont Kühn, dass der Weihnachtsbaum als kulturelle Tradition weiterhin seine Berechtigung hat.

Ihre Beliebtheit verdankt die Nordmanntanne vor allem ihren praktischen Eigenschaften: Sie behält im warmen Wohnzimmer lange ihre Nadeln, zeigt ein dichtes, harmonisches Erscheinungsbild und erfüllt damit das Idealbild des „perfekten“ Weihnachtsbaums. Seit der Nachkriegszeit, insbesondere durch den intensiven Anbau in Dänemark, hat sie den Markt nachhaltig geprägt. Wer nachhaltiger feiern möchte, kann laut Kühn auch auf Alternativen zurückgreifen. Statt eines ganzen Baumes schaffen Zweige eine stimmungsvolle Atmosphäre. Besonders Douglasienzweige verströmen einen intensiven Duft, ebenso die im Handel erhältlichen Zweige der Weymouth-Kiefer (Pinus strobus). Von lebenden Weihnachtsbäumen im Topf rät Kühn hingegen ab, da viele Pflanzen den Wechsel zwischen Innen- und Außenraum nicht überleben.

Über die Weihnachtszeit hinaus gewinnen Nadelbäume in Kühns Forschung eine neue Bedeutung. Angesichts der Klimakrise stoßen viele klassische Straßenbäume in Städten an ihre Belastungsgrenzen. Trockenheitsverträgliche Nadelgehölze aus mediterranen und submediterranen Regionen könnten hier eine wichtige Ergänzung sein. Arten wie Libanon- oder Atlas-Zeder sind robust, immergrün und bringen auch im Winter Struktur und ökologische Funktionen in den Stadtraum.

Das Image von Nadelbäumen als monoton oder ökologisch wenig wertvoll ist laut Kühn historisch bedingt und überholt. Für den Landschaftsbau eröffnet sich damit die Chance, neue Baumarten zu erproben und Stadtgrün klimaresilient weiterzuentwickeln. Voraussetzung dafür ist allerdings, urbanen Räumen wieder mehr Platz für Bäume zu geben und gewohnte Bilder von Stadtgrün zu hinterfragen.

Quelle: Barbara Halstenberg, TU Berlin