Paris befindet sich inmitten einer tiefgreifenden Umgestaltung seiner urbanen Umwelt: weg von dichter Bebauung, grauen Fassaden und stark versiegelten Flächen – hin zu mehr Vegetation, Biodiversität, klimatischer Anpassung und ökologisch verträglichen Gartenbaupraktiken. Diese Entwicklungen sind für Österreich interessant, spricht man doch seit jeher von Wien als grüne Stadt. Um dieses Image zu erhalten und eine der lebenswerteste Städte weltweit zu bleiben, müssen tiefgreifende Veränderungen geschehen. Das gilt sowohl für Neuplanungen als auch für Bestände.
Maßnahmen in Paris
In den letzten Jahren wurden bereits über 170 000 neue Bäume gepflanzt, dies bedeutet die Verdopplung des Baumbestandes in der Innenstadt. 200 Straßen wurden in "rue-jardin" ("Gartenstraßen") umgewandelt, im März genehmigten in einer Volksbefragung 66 Prozent der Pariser Stimmberechtigten die Begrünung von 500 weiteren Straßen. Auf öffentlichen Grünflächen wird bereits seit den 1990er Jahren auf chemische Herbizide und Pestizide verzichtet. Außerdem stammen die Grünpflanzen für Paris' Grünflöchen aus einem Produktionsbetrieb, der zunehmend ökologische Anbaumethoden anwendet.
Der beschlossene "Plan Climat 2024-2030" sieht unter anderem Maßnahmen wie die Entsiegelung von bis zu 40% der Flächen und die Schaffung von 300 zusätzlichen Hektar Grünflächen vor. Er enthält auch die Forderung, Forderung, dass jeder Bewohner in maximal sieben Minuten (zu Fuß) ein kühlendes „îlot de fraîcheur“ ("grünes Element") erreichen kann. Es sollen weitere bestehende Flächen wie Dächer, Fassaden und bisher nicht grüner öffentlicher Räume begrünt werden. Dazu gehören auch Verkehrsknotenpunkte, die zu urbanen Wäldern umgebaut werden sollen. Autoverkehr soll jedoch grundsätzlich stark reduziert werden.
Die Umwandlung der Avenue des Champs-Élysées ist eines der symbolträchtigsten Projekte der grünen Transformation in Paris. Die weltberühmte Prachtstraße, lange Zeit von Verkehr und Abgasen dominiert, soll sich in eine „extraordinaire jardin“ – einen außergewöhnlichen Garten – verwandeln. Geplant ist, die Fahrbahnen stark zu reduzieren, neue Baumreihen und Grüninseln zu pflanzen, breite Fußgängerzonen und Radwege zu schaffen sowie die Luftqualität und Aufenthaltsqualität deutlich zu verbessern. Der Entwurf des Architekturbüros PCA-Stream sieht vor, die Promenade in eine zusammenhängende, klimaangepasste Grünachse zu verwandeln, die den Place de la Concorde mit dem Arc de Triomphe verbindet. Schon seit 2016 sind die Champs-Elysées einmal im Monat, jeweils am ersten Sonntag, für Autos gesperrt.
Zusätzlich zu den Begrünungsmaßnahmen sind umfangreiche Umstellungen zu einer nachhaltigeren Bauweise und Ressourcenverwendung angesetzt: Massivere Nutzung von Holz, Hanf, Stroh oder anderen klimafreundlichen Baustoffen bei Renovierungen; mehr Rehabilitation statt Abriss.
Wien im Vergleich
Wien gilt zwar als eine der grünsten Metropolen Europas, rund 53 Prozent der Stadtfläche bestehen aus Grünland und Gewässern , doch der größte Teil dieses Grüns liegt an der Peripherie, in Gebieten wie dem Wienerwald, der Lobau oder entlang der Donau. Im dicht bebauten innerstädtischen Raum hingegen stagniert die Entwicklung: Seit mehreren Jahrzehnten wurde keine größere neue öffentliche Grünfläche mehr geschaffen. Zwar hat die Stadt in den letzten Jahren zahlreiche kleinere Projekte umgesetzt – etwa im Rahmen der Initiative „Raus aus dem Asphalt“, die Straßen entsiegelt und Baumpflanzungen forciert, oder durch Programme zur Fassaden- und Dachbegrünung –, doch diese Maßnahmen kompensieren nur teilweise den Mangel an neuen Parkanlagen oder größeren Freiräumen. Die wachsende Hitzebelastung im Sommer und die zunehmende Verdichtung machen deutlich, dass Wien vor einer ähnlichen Herausforderung steht wie Paris vor einigen Jahren: Es braucht verbindliche, flächenwirksame Strategien, um neue urbane Grünräume zu schaffen. Die Stadt bietet enormes Potenzial, jedoch braucht es Priorisierungen in der Politik. Danach sieht es bei der derzeitigen Budgetlücke aber leider nicht aus.